Thorakolumbale Deformität bei Erwachsenen: 12 wichtige Hinweise, ob eine Korrekturoperation nötig ist

Die thorakolumbale Deformität des Erwachsenen ist weit mehr als ein „krummer Rücken“. Sie kann zu chronischen Schmerzen, Gleichgewichtsstörungen, Gehschwierigkeiten und einer deutlichen Einschränkung des Alltags führen. Dennoch brauchen nicht alle Menschen mit einer Wirbelsäulenkrümmung eine Operation. Dieser Artikel soll Ihnen helfen zu verstehen, wann eine korrigierende Operation sinnvoll sein kann, welche Alternativen es gibt und welche Ergebnisse realistisch sind.

Eine Operation bei thorakolumbaler Deformität kann Schmerzen und Funktion bei gut ausgewählten Patientinnen und Patienten verbessern, ist aber ein großer Eingriff mit relevanten Risiken und einer langen Erholungsphase. Die Entscheidung stützt sich auf das Zusammenspiel von Beschwerden, Bildgebung und allgemeinem Gesundheitszustand und niemals nur auf das Röntgenbild.

 

Zusammenfassung

  • Nicht alle thorakolumbalen Deformitäten erfordern eine Operation; viele lassen sich konservativ behandeln.
  • Häufigste Gründe für eine Operation sind schwer beherrschbare Schmerzen, Verlust des Gleichgewichts und neurologische Ausfälle.
  • Eingriffe bei Deformitäten im Erwachsenenalter sind komplex und mit einer relevanten Komplikationsrate verbunden, die in manchen Studien über 30 Prozent liegt.
  • Programme zur optimierten Erholung nach Operationen (ERAS) und eine gute medizinische Vorbereitung senken das Risiko und beschleunigen die Rückkehr in den Alltag.
  • Dieser Text dient der Information und ersetzt keine individuelle Beurteilung durch Wirbelsäulenspezialisten.

 

Was ist eine thorakolumbale Deformität im Erwachsenenalter

Die thorakolumbale Wirbelsäule ist der Übergangsbereich zwischen der Brustwirbelsäule (dort setzen die Rippen an) und der Lendenwirbelsäule. Eine Deformität in diesem Bereich kann unterschiedliche Formen annehmen:

  • Degenerative Skoliose des Erwachsenen: seitliche Krümmung, die im Laufe des Lebens entsteht oder fortschreitet, bedingt durch Verschleiß der Bandscheiben und Facettengelenke.
  • Thorakolumbale Kyphose: verstärkte Vorwärtskrümmung, teils infolge osteoporotischer Frakturen oder vorangegangener Operationen.
  • Sagittale Fehlstellung: der Rumpf kippt nach vorne oder zur Seite, sodass Betroffene Knie oder Hüften beugen müssen, um aufrecht stehen zu können.

Hauptursache ist meist ein fortschreitender Verschleiß von Bandscheiben und Gelenken; hinzu kommen Faktoren wie Osteoporose, Bindegewebserkrankungen, unbehandelte Deformitäten aus der Kindheit oder frühere Operationen mit Verlust des Wirbelsäulengleichgewichts.

Leitlinien und Übersichtsarbeiten zur Wirbelsäulendeformität des Erwachsenen betonen übereinstimmend, dass es sich nicht nur um ein kosmetisches Problem handelt: Unbehandelte Fehlstellungen stehen in Zusammenhang mit Schmerzen, funktionellen Einschränkungen und einer verminderten Lebensqualität.

 

Symptome und Warnzeichen: wann eine thorakolumbale Deformität bedeutsam ist

Viele Menschen haben kleine Krümmungen, ohne nennenswerte Beschwerden zu spüren. Hinweise auf eine klinisch relevante Deformität sind:

  • Chronische Lenden- oder thorakolumbale Schmerzen, die im Stehen oder beim Gehen zunehmen und sich im Sitzen oder Liegen bessern.
  • Gefühl, sich „nicht mehr richtig aufrichten“ zu können: der Rumpf neigt sich sichtbar nach vorne oder zu einer Seite.
  • Allmähliche Abnahme der Körpergröße und Ausbildung eines „Buckels“ oder einer veränderten Rückensilhouette.
  • Gehstreckenbegrenzung: man muss alle paar Minuten stehen bleiben, weil Schmerzen oder Schwäche in den Beinen auftreten.
  • Kribbeln, Kraftverlust oder Ungeschicklichkeit in den Beinen, was auf eine Kompression von Rückenmark oder Nervenwurzeln hindeuten kann.
  • Häufige Stürze oder Probleme, das Gleichgewicht zu halten.

Treten neurologische Symptome auf (Kraftverlust, Stuhl- oder Harnentleerungsstörungen, plötzliche Gefühlsstörungen), ist eine rasche ärztliche Abklärung notwendig, um eine relevante Kompression von Rückenmark oder Nervenwurzeln auszuschließen.

 

Wie eine thorakolumbale Deformität diagnostiziert wird

Die Beurteilung einer thorakolumbalen Deformität geht deutlich über eine einfache Röntgenaufnahme hinaus. Üblicherweise gehören dazu:

  • Ausführliche Anamnese: Dauer der Schmerzen, Auswirkungen auf den Alltag, frühere Frakturen, Operationen und Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes, Herzerkrankungen, Osteoporose).
  • Körperliche Untersuchung: Haltung, Gangbild und Gleichgewicht, Muskelkraft, Reflexe und Sensibilität.
  • Röntgenaufnahmen der gesamten Wirbelsäule im Stehen, in Vorder- und Seitenansicht, um die sagittale und koronale Balance zu messen.
  • MRT zur Beurteilung der Bandscheiben, des Rückenmarks und der Nervenwurzeln.
  • CT, wenn die knöcherne Anatomie genauer analysiert, Osteotomien geplant oder frühere Fusionen beurteilt werden sollen.
  • Messung spinopelviner Parameter (zum Beispiel T1-Pelvic-Angle, globale sagittale Ausrichtung), die bei der Planung des Korrekturumfangs helfen.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Deformität als Ganzes (Wirbelsäule und Becken) betrachtet werden muss und nicht nur die lokale Krümmung, da das globale Ungleichgewicht eng mit dem Ausmaß von Behinderung und Schmerz korreliert.

 

Nicht operative Behandlung: wann es noch zu früh für eine Operation ist

Bevor eine Operation bei thorakolumbaler Deformität in Betracht gezogen wird, wird die konservative Therapie so weit wie sinnvoll optimiert. Mögliche Maßnahmen sind:

  • Physiotherapie und therapeutische Übungen: gezielte Programme zur Rumpfkräftigung, Dehnübungen, Gleichgewichtstraining und Haltungs- oder Gangschulung.
  • Schmerztherapie: Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente, neuromodulatorische Arzneien und in ausgewählten Fällen bildgesteuerte Infiltrationen.
  • Behandlung der Osteoporose: Vitamin-D- und Kalziumpräparate, antiresorptive oder anabole Medikamente sowie Bearbeitung von Risikofaktoren wie Rauchen.
  • Gewichtsreduktion und Kontrolle von Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes, Bluthochdruck, Herzerkrankungen), um die Schmerzbelastung zu verringern und die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern.
  • Orthese (Korsett) in sehr ausgewählten Situationen, meist als vorübergehende Unterstützung und nicht als alleinige Lösung.

Bei leichten Skoliosen oder Kyphosen oder wenn die Schmerzen beherrschbar sind und die Lebensqualität akzeptabel bleibt, empfehlen Leitlinien, zunächst diese Strategien auszuschöpfen und eine Operation für Situationen zu reservieren, in denen der erwartete Nutzen die Risiken klar überwiegt.

 

Wann eine korrigierende Operation der thorakolumbalen Deformität erwogen wird

Im Allgemeinen wird eine Operation in Betracht gezogen, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen:

  • Starke oder behindernde Schmerzen, die trotz konsequenter konservativer Behandlung über Monate anhalten.
  • Ausgeprägte Fehlstellung (zum Beispiel stark nach vorne geneigter Rumpf oder deutliche Seitverbiegung), die grundlegende Aktivitäten wie Gehen oder Stehen erschwert.
  • Bildgebend nachgewiesene neurologische Kompression mit Symptomen wie Schwäche, Gefühlsstörungen oder Gangunsicherheit.
  • Fortschreiten der Deformität, dokumentiert in wiederholten Röntgenaufnahmen.
  • Ausreichender Allgemeinzustand für einen großen operativen Eingriff: biologische Alterseinschätzung, Herz-Lungen-Funktion, Knochendichte, Ernährungszustand und psychische Verfassung werden berücksichtigt.

Aktuelle Studien unterstreichen, wie wichtig eine sorgfältige Patientenauswahl ist. Der gleiche Deformitätsgrad rechtfertigt nicht bei allen Menschen die gleiche Operation: Ziel ist es, die Wirbelsäule so zu balancieren, dass der Gewinn an Lebensqualität die perioperativen und langfristigen Risiken klar aufwiegt.

 

Welche Operationsverfahren zur Korrektur einer thorakolumbalen Deformität eingesetzt werden

Die konkreten Techniken werden individuell angepasst; im Wesentlichen werden drei Elemente kombiniert:

  • Dekompression: Entlastung von Rückenmark und Nervenwurzeln (z. B. Laminektomien, Foraminotomien), wenn eine relevante Einengung vorliegt.
  • Fusion und Instrumentation: Einbringen von Schrauben, Stäben und weiteren Implantaten, um die Wirbelsäule in der korrigierten Stellung zu stabilisieren.
  • Osteotomien: kontrollierte Knochendurchtrennungen, um bei rigiden Deformitäten die Ausrichtung wiederherzustellen.

In vielen Fällen erstreckt sich der Eingriff über zahlreiche Segmente und reicht von der oberen Brustwirbelsäule bis zum Kreuzbein oder Becken. Entscheidungen darüber, wie weit fusioniert wird, welche Korrektur angestrebt wird und ob in einer oder mehreren Operationen vorgegangen wird, hängen von der konkreten Deformität, der Knochenqualität und dem Allgemeinzustand der Patientin oder des Patienten ab.

Minimalinvasive Techniken und laterale Zugänge (z. B. XLIF oder OLIF) werden bei ausgewählten Fällen eingesetzt, insbesondere bei weniger rigiden Krümmungen oder wenn Blutverlust und Muskeltrauma reduziert werden sollen, sind aber keine Lösung für alle Situationen.

 

Erwartbare Vorteile im Vergleich zu Risiken und Nebenwirkungen

Mögliche Vorteile einer gut begründeten Operation bei thorakolumbaler Deformität sind:

  • Verringerung mechanischer Schmerzen, die mit der Deformität und der Überlastung ausgleichender Segmente zusammenhängen.
  • Verbesserung von Gleichgewicht, Stand- und Gehfähigkeit und damit eine größere Selbstständigkeit im Alltag.
  • Vorbeugung eines weiteren Fortschreitens der Deformität in vielen Fällen durch Stabilisierung der Wirbelsäule in einer funktionell günstigeren Stellung.
  • Verbesserung der subjektiv wahrgenommenen Lebensqualität, gemessen mit speziellen Fragebögen für Deformitäten im Erwachsenenalter.

Gleichzeitig zeigen Studien zur Deformitätschirurgie beim Erwachsenen Gesamtkomplikationsraten von etwa 30 bis 50 Prozent, einschließlich medizinischer und chirurgischer Probleme. Häufig beobachtet werden:

  • Wundkomplikationen: oberflächliche oder tiefe Infektionen sowie Wundheilungsstörungen.
  • Neurologische Komplikationen: neue motorische oder sensible Ausfälle, insgesamt selten, aber potenziell schwerwiegend.
  • Mechanische Probleme: Pseudarthrose (fehlende knöcherne Durchbauung der Fusion), Schrauben- oder Stabbruch, übermäßige Kyphose oder Lordose in angrenzenden Segmenten.
  • Medizinische Komplikationen: kardio-pulmonale Ereignisse, venöse Thrombosen, Entgleisungen vorbestehender Erkrankungen.

Neuere Arbeiten betonen, wie wichtig es ist, Risikofaktoren (höheres Alter, Adipositas, Osteoporose, Herz- oder Lungenerkrankungen, schlechter Allgemeinzustand, psychische Vulnerabilität) zu erkennen und vor der Operation so gut wie möglich zu beeinflussen, um Komplikationen und Revisionsoperationen zu reduzieren.

 

ERAS-Programme und präoperative Vorbereitung: wie sich Risiken senken lassen

ERAS-Protokolle (Enhanced Recovery After Surgery), angepasst an die Deformitätschirurgie beim Erwachsenen, kombinieren zahlreiche Maßnahmen vor, während und nach der Operation. Ziel ist es, die Operationsbelastung zu verringern, den Krankenhausaufenthalt zu verkürzen und Komplikationen zu reduzieren, ohne das Risiko zu erhöhen. Typische Bausteine sind:

  • Prähabilitation: schonende Übungen, Atemtraining und angepasstes Muskelaufbautraining vor dem Eingriff.
  • Optimierung des Ernährungszustands und Behandlung einer Blutarmut oder anderer Mangelzustände.
  • Rauchstopp und bessere Kontrolle chronischer Erkrankungen.
  • Multimodale Schmerzkonzepte mit geringerer Abhängigkeit von Opioiden.
  • Frühmobilisation in den ersten 24-48 Stunden nach der Operation, sofern medizinisch vertretbar.

Aktuelle Studien und Metaanalysen legen nahe, dass ERAS-Programme in der Deformitätschirurgie bei Erwachsenen mit weniger Komplikationen, kürzeren Krankenhausaufenthalten und einer schnelleren funktionellen Erholung einhergehen, auch wenn sie das Risiko nicht vollständig beseitigen.

 

Realistische Erholungszeiten

Die Erholungsdauer hängt von Umfang der Operation, Alter, Knochenqualität und Begleiterkrankungen ab. Grob orientierend:

  • Erste Tage: Aufenthalt auf der Station oder Intermediate-Care-Einheit, Schmerztherapie, Beginn von Sitzen und Stehen mit Unterstützung.
  • Erste 2-4 Wochen: Gehen mit Hilfsmitteln, schrittweise zunehmende Selbstständigkeit zu Hause, deutliche Müdigkeit, die sich allmählich bessert.
  • Wochen 4-8: viele Betroffene nehmen leichte Tätigkeiten und Bürotätigkeiten wieder auf, mit häufigen Pausen.
  • 3-6 Monate: fortschreitende knöcherne Durchbauung der Fusion, Ausbau des Physiotherapieprogramms und Wiederaufnahme anspruchsvollerer Aktivitäten je nach Verlauf.
  • 12 Monate oder länger: die vollständige Anpassung an die „neue“ Wirbelsäule und die erreichte Ausrichtung kann ein Jahr oder mehr dauern.

Verlaufsstudien über mittlere und längere Zeiträume zeigen, dass sich die funktionellen Ergebnisse bei vielen Patienten über das erste Jahr hinaus weiter verbessern, aber auch, dass späte Komplikationen (Pseudarthrose, Probleme an benachbarten Segmenten) auftreten können, sodass regelmäßige Kontrollen notwendig sind.

 

Wann nach einer Deformitätsoperation dringend ärztliche Hilfe nötig ist

Nach der Operation ist es wichtig, Warnzeichen zu kennen, bei denen eine Notaufnahme oder eine rasche Rücksprache mit dem Behandlungsteam erforderlich ist:

  • Plötzlicher Kraftverlust oder Gefühlsstörungen in den Beinen oder Schwierigkeiten, sie zu bewegen.
  • Akut auftretende Stuhl- oder Harnentleerungsstörungen (Inkontinenz oder Harn- bzw. Stuhlverhalt).
  • Neu aufgetretene, starke Schmerzen, insbesondere in Verbindung mit Fieber oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl.
  • Rötung, Überwärmung oder Nässen im Bereich der Operationswunde.
  • Atemnot, Brustschmerzen oder schmerzhafte Schwellung eines Beins, was auf ein kardio-pulmonales oder thrombotisches Ereignis hindeuten kann.

Bei solchen Symptomen sollte man nicht bis zum nächsten regulären Kontrolltermin warten: eine zeitnahe Notfallbeurteilung ist sinnvoll, auch wenn sich später herausstellt, dass es sich um ein weniger schwerwiegendes Problem handelt.

 

Mythen und Fakten zur Operation bei thorakolumbaler Deformität

Mythos 1: „Nach der Operation ist meine Wirbelsäule wie neu“.
Fakt: Hauptziele sind eine bessere Ausrichtung, weniger Schmerzen und mehr Funktion. Es ist jedoch unrealistisch zu erwarten, dass alle Beschwerden verschwinden, insbesondere bei mehrfach betroffenen Segmenten oder zusätzlichen Erkrankungen.

Mythos 2: „Wenn das Röntgenbild sehr schlecht aussieht, muss ich unbedingt operiert werden“.
Fakt: Entscheidungen werden nicht ausschließlich anhand der Bildgebung getroffen. Manche Menschen haben deutliche Deformitäten, aber erträgliche Beschwerden und werden konservativ behandelt, während andere mit moderaten Krümmungen und starker Beeinträchtigung deutlich von einer Operation profitieren können.

Mythos 3: „Eine Operation verschlechtert bei über 70-Jährigen immer den Zustand“.
Fakt: Das kalendarische Alter ist nur ein Faktor. Entscheidend ist die gesamte funktionelle Reserve. Bei sorgfältig ausgewählten älteren Patientinnen und Patienten kann eine Operation Autonomie und Lebensqualität verbessern, auch wenn die Risiken höher sind und ausführlich besprochen werden müssen.

Mythos 4: „Nach einer Operation kann die Deformität nicht zurückkehren“.
Fakt: Es besteht ein Risiko für Implantatversagen, Pseudarthrose oder Entgleisungen angrenzender Segmente. Daher sind Nachsorge, Osteoporoseprophylaxe und eine angemessene Rehabilitation so wichtig.

Mythos 5: „Bei Schmerzen bleibt nur eine lange Fusion als Option“.
Fakt: In vielen Fällen gibt es weniger invasive Alternativen (optimierte konservative Therapie, begrenzte Dekompression, segmentale Eingriffe), die geprüft werden, bevor lange Fusionen empfohlen werden.

 

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich bei jeder Skoliose oder Kyphose zwangsläufig eine Deformitätsoperation?

Nein. Viele leichte oder mittelgradige Deformitäten können mit Bewegung, Physiotherapie, Schmerztherapie und regelmäßigen Kontrollen behandelt werden. Eine Operation kommt in der Regel dann infrage, wenn Schmerzen oder Fehlstellung die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen und die konservative Therapie nicht mehr ausreicht.

Welche bildgebenden Untersuchungen sind vor einer Operationsentscheidung unbedingt erforderlich?

Mindestens Röntgenaufnahmen der gesamten Wirbelsäule im Stehen (Vorder- und Seitenansicht) sowie eine MRT-Untersuchung zur Beurteilung von Rückenmark und Nervenwurzeln. Häufig wird zusätzlich eine CT durchgeführt, um die Instrumentation zu planen; bei Osteoporose oder Voroperationen wird die Abklärung durch Knochendiagnostik und spezifische Laboruntersuchungen ergänzt.

Wie hoch ist das tatsächliche Risiko für Komplikationen bei dieser Art von Operation?

Es hängt von der Komplexität der Deformität und dem Allgemeinzustand der Patientin oder des Patienten ab. Große Serien zur Deformitätschirurgie im Erwachsenenalter berichten jedoch von Gesamtkomplikationsraten über 30 Prozent, einschließlich medizinischer, infektiöser und mechanischer Probleme. Deshalb ist eine individualisierte Indikationsstellung und sorgfältige Vorbereitung der Operation so wichtig.

Kann ich nach einer korrigierenden thorakolumbalen Operation wieder arbeiten?

Bei Bürotätigkeiten kehren viele Menschen nach 8 bis 12 Wochen in den Beruf zurück, meist mit Anpassungen und häufigen Pausen. Körperlich belastende Arbeiten mit Heben und wiederkehrenden Belastungen benötigen oft mehr Zeit und gelegentlich eine berufliche Neuorientierung. Die Entscheidung wird immer gemeinsam mit dem behandelnden und rehabilitativen Team getroffen.

Behandelt eine Deformitätsoperation gleichzeitig die Osteoporose?

Nein. Die Operation kann die Wirbelsäule stabilisieren und neu ausrichten, aber sie beseitigt nicht die Ursache der Knochenbrüchigkeit. Eine spezifische Osteoporosetherapie vor und nach der Operation ist entscheidend, da die Knochenqualität die Stabilität der Implantate und das Risiko neuer Frakturen maßgeblich beeinflusst.

Welche Rolle spielt die psychische Gesundheit für das Operationsergebnis?

Die psychische Verfassung beeinflusst Schmerzempfinden, Motivation in der Rehabilitation und Zufriedenheit mit dem Ergebnis erheblich. Neuere Studien zeigen, dass unbehandelte Depressionen und Angststörungen mit schlechter wahrgenommenen Ergebnissen einhergehen. Daher ist es sinnvoll, solche Faktoren bereits vor der Operation zu erkennen und zu behandeln.

Gibt es minimalinvasive Alternativen für alle Deformitäten?

Nein. Minimalinvasive Verfahren und laterale Zugänge können bei bestimmten Krümmungen und guter Knochenqualität sehr hilfreich sein. Bei sehr rigiden Deformitäten oder ausgeprägten sagittalen Fehlstellungen sind aber häufig größere Osteotomien und ausgedehnte Fusionen über offene oder kombinierte Zugänge erforderlich.

Wie lange halten die Implantate?

Implantate sind grundsätzlich für einen dauerhaften Verbleib ausgelegt. Ihr Langzeitverhalten hängt jedoch von der Knochenqualität, dem Ausmaß der Korrektur und der mechanischen Belastung ab. Bei gut durchbauter Fusion müssen Implantate nur selten entfernt werden, meist nur bei spezifischen Komplikationen.

 

Glossar

  • Thorakolumbale Deformität: Fehlstellung der Wirbelsäule im Übergangsbereich zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule.
  • Degenerative Skoliose des Erwachsenen: seitliche Krümmung, die mit zunehmendem Alter durch Verschleiß von Bandscheiben und Gelenken entsteht oder sich verstärkt.
  • Kyphose: verstärkte Vorwärtskrümmung der Brust- oder thorakolumbalen Wirbelsäule.
  • Sagittale Balance: Ausrichtung der Wirbelsäule in der Seitenansicht, entscheidend für die Fähigkeit, ohne übermäßigen Kraftaufwand aufrecht zu stehen.
  • Wirbelfusion: dauerhafte knöcherne Verbindung mehrerer Wirbelkörper mithilfe von Knochentransplantat und Implantaten.
  • Osteotomie: kontrollierte Durchtrennung von Knochen zur Korrektur einer rigiden Deformität.
  • Pseudarthrose: ausbleibende knöcherne Durchbauung einer Fusion, die zu Schmerzen und Implantatversagen führen kann.
  • ERAS-Programm: Bündel von Maßnahmen vor, während und nach einer Operation zur Verringerung von Komplikationen und zur Beschleunigung der Erholung.

 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf klinischen Leitlinien und aktuellen Übersichtsarbeiten zur Wirbelsäulendeformität des Erwachsenen und zur Wirbelsäulenchirurgie. Wichtige Quellen sind:

  1. North American Spine Society. Clinical Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Adult Spinal Disorders. NASS; 2021-2024. Verfügbar im Bereich Clinical Guidelines der NASS.
  2. NICE. Lateral interbody fusion in the lumbar spine for low back pain (IPG574). National Institute for Health and Care Excellence; zuletzt 2017 überprüft, mit aktualisierten Informationen für Patienten und Fachpersonal.
  3. Akıntürk N, et al. Complications of adult spinal deformity surgery: a literature review. 2022. Übersichtsarbeit über mehr als 26 000 Patientinnen und Patienten mit Angaben zu medizinischen und mechanischen Komplikationsraten.
  4. Arora A, et al. Preoperative medical assessment for adult spinal deformity surgery. 2023. Übersicht zu Risikofaktoren für perioperative Komplikationen bei Deformitäten im Erwachsenenalter.
  5. Fujii T, et al. Enhanced Recovery After Surgery Protocol in Patients With Adult Spinal Deformity: systematic review and meta-analysis. 2025. Analyse von ERAS-Protokollen und deren Einfluss auf Komplikationen und Krankenhausaufenthalt.
  6. Berven SH, et al. Late Complications and Adverse Events in Adult Deformity Surgery. 2025. Übersicht über späte Komplikationen, Implantatversagen und Revisionsbedarf in der Deformitätschirurgie.

  

Diese Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen nicht die individuelle Beurteilung durch qualifizierte Gesundheitsfachkräfte. Bei Fragen zu Ihrer eigenen Situation wenden Sie sich bitte an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt oder an eine Wirbelsäulenspezialistin bzw. einen Wirbelsäulenspezialisten.